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Ausgestellt am 14. September 2009, von in Rezensionen.

Klappentext:
„Wicked“ erzählt die aufregende Vorgeschichte des „Zauberers von Oz“.

Als Dorothy im „Zauberer von Oz“ über die Böse Hexe des Westens triumphierte, bekamen wie nur ihre Version der Geschichte erzählt. Aber was ist mit der geheimnisvollen Hexe des Westens selbst? Woher kam sie? Wie wurde sie so böse? Oder ist sie vor allem eine unangepasste, mutige junge Frau?

Der Roman der das preisgekrönte Broadway Musical „Wicked – Die Hexen von Oz“ inspirierte.

Meine Meinung:

“Und die Haut, ach ja, die Haut war grün wie die Sünde. Keine hässliche Farbe, fand Ämmchen. Nur keine menschliche Farbe.” (S. 41)

Am Tag als der Prediger Frex seiner Familie ankündigt der Teufel käme, bringt seine Frau eine Tochter namens Elphaba zur Welt. Nicht nur, dass es kein Sohn ist, das bissige kleine Mädchen, dass schon bei der Geburt messerscharfe Zähne hat, ist grün. Aufgrund ihrer ungewöhnlichen Hautfarbe ist es selbst Elphabas Mutter Melena zu wider sich um sie zu kümmern. Das grüne Mädchen durchlebt eine schwere Kindheit und entwickelt sich langsamer als andere Kinder ihres Alters, da ihr die Zuneigung und die Ansprache fehlen.
Später beschließt das eigenwlillige, dass schon früh lernen musste mit Verachtung zu leben, an der Universität von Shiz zu studieren. Dort lernst sie ihre Zimmernachbarin Glinda kennen, doch die beiden sind sehr unterschiedlich. Eines Tages erfährt Elphaba wie es um die Zustände der TIERE in Oz bestellt ist. TIERE haben nämlich im Gegensatz zu Tieren eine Seele und verständigen sich wie Menschen durch Sprache. Die Rechte der TIERE werden allerdings durch den Zauberer von Oz massiv eingeschränkt, sodass Elphaba und ihre Freunde an Lösungen überlegen.

“Das Dilemma, in dem alle Aufklärungsversuche stecken, ist, dass das Böse seinem Wesen nach geheim ist.” (S.487)

Gregory Maguire erzählt die Lebensgeschichte der „Bösen Hexe des Westens“ Elphaba und bedient sich dazu einiger prägnanter Kapitel ihres Lebens. Unterteilt in fünf Teile, beschreibt das Buch ihre Kindheit, die Zeit an der Universität, ihren Lebenswandel und ihr Ende (welches ja die Grundlage für den Roman „Der Zauberer von Oz“ darstellt). Allerdings hat sich mir bis zur letzten Seite nicht ganz erschlossen, warum Maguire immer an den merkwürdigsten Stellen die Handlung abbricht, meistens dann wenn sie gerade Fahrt aufgenommen hat, um dann Jahre später wieder einzusetzen. Rückblickend macht es den Eindruck, als würde der Autor immer versuchen alles was auf den letzten 50 Seiten passiert, so vorzubereiten, dass sich dem Leser jedes Detail erschließt. Diese Tatsache fand ich jedoch reichlich ermüdend, da man auf manche so entstandene Länge wirklich gern verzichtet hätte.
Was man dem Buch zugute halten kann ist, dass es ein Oz enthält, dass unheimlich vielschichtig dargestellt wird. Man erfährt etwas über die gesellschaftlichen Strukturen, über die Politik des Landes und die Unterdrückung, die die Bewohner durch den Zauberer erfahren. Die Thematik der TIERE lässt sich leicht auf die Diskriminierung vieler Menschen in der Geschichte der Welt übertragen. Elphaba selbst ist eigentlich weniger Trägerin der Antipathie des Lesers, als dessen Mitleid. Sie zeichnet sich durch ihre schwierige Kindheit bereits früh als sehr eigensinnig aus und entwickelt im Lauf ihres Lebens einen starken Gerechtigkeitssinn gegenüber anderen Menschen und auch Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihrer Familie. Allerdings erhält sie dafür kaum Anerkennung ihrer Umwelt. Auch ist sie äußerst nachdenklich und fragt sich zum Beispiel ob jeder Mensch eine Seele hat und sucht nach Beweisen fü r die Existenz ih rer eigenen. Sie hat es nicht immer leicht und auch den Status der „Bösen Hexe des Westens“ hätte sie sich selbst am wenigsten zugeschrieben. Es kam aber wie es kommen musste, das ungeliebte kleine Mädchen aus Binsenrain wird zu der bösen Frau, die alle stets in ihr sahen.
Obwohl der „Zauberer von Oz“ von Erzählstil und Zielgruppe her ein völlig anderes Buch ist, erklärt sich doch auf den letzten Seiten von „Wicked“, wie es zu den Geschehnissen um Dorothy und ihre Freunde kam und warum die Schuhe eine so bedeutsame Bewandnis haben. So ermüdend die Lektüre für mich auch war, am Ende konnte der Autor mir vermitteln, was er über 500 Seiten lang auszusagen versuchte. Elphaba mag Vieles sein: grün, eigensinnig, eigenwillig, böse. Aber am Ende war sie doch vor allem Eines: Missverstanden.
Wer ein heiteres, leichtes Abenteuer erwartet hätte, wie es im „Zauberer von Oz“ der Fall ist, wird jedenfalls ab der ersten Seite enttäuscht. Die Sprache des Autors ist sehr eingentümlich, sodass es die ganze Zeit über hohe Konzentration des Lesers erforderlich ist, die Handlung bietet Längen und Kürzen jeweils an den falschen Stellen und insgesamt ist die Stimmung äußerst düster. Die wenigen Witze erzielten bei mir gerade mal ein müdes Lächeln und die schlüpfrige Berichterstattung zum Beispiel über das Treiben von Elphabas Mutter fand ich regelrecht übertrieben und unpassend.

Für mich bleibt die Vermutung zurück, als habe der Autor, der es sich zur Aufgabe machte, die Vorgeschichte zu einem der größten Kinderbuchklassiker zu schreiben, es so besonders gut machen wollen, dass er über das Ziel hinaus geschossen ist.

Lieblingszitat:

Mord ist ein Wort aus der Mottenkiste der Frömmler, eine griffige Formel, mit der sie jede mutige Tat verurteilen, die ihren Horizont übersteigt.” (S.462)

Bewertung:
(2/5)
Rezension verfasst: 14.09.09

Schade, ich hatte vom Buch etwas anderes erwartet. Ich hoffe das Musical gefällt mir besser!