Monthly Archive for Februar, 2010

[Rezension] Daniel Glattauer “Gut gegen Nordwind”

Klappentext:
Emmi Rothner möchte per E-Mail ihr Abo der Zeitschrift ‘Like’ kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre Nachrichten bei Leo Leike. Als Emmi wieder und wieder E-Mails an die falsche Adresse schickt, klärt Leo sie über den Fehler auf. Es beginnt ein außergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf einem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher – bis sie sich der unausweichlichen Frage stellen müssen: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?

Meine Meinung:
Daniel Glattauers Briefroman im Zeitalter der virtuellen Kommunikation, erzählt die Geschichte von Leo und Emmi, die das Schicksal per E-Mail zusammen führte. Als Emmi Rothner per E-Mail ein Zeitungsabo kündigen möchte, landet sie bei Leo Leike und dieser klärt sie darüber auf, dass sie an der falschen Adresse gelandet ist. Emmi entschuldigt sich zwar, doch passiert es ihr wieder, dass eine ihrer E-Mails bei Leo landet. Schnell merken beide, dass der jeweils andere sie magisch anzieht und aus dem zufälligen Kontakt wird ein reger Austausch, der beide näher zusammen bringt.
Obwohl der Leser immer nur den Briefwechsel der beiden liest, wachsen ihm die Schreiber schnell ans Herz. Emmi, die schlagfertig, bissig und witzig ist, sowie Leo, der mit Hilfe von etwas Wein sein Herz auf der Zunge trägt. Man wird Zeuge, eines sich entwickelnden Verhältnisses zwischen zwei völlig Fremden, dass nicht nur ihnen seltsam unwirklich vorkommt und gleichzeitig unerklärlich ist. Man ist froh, wenn Leo und Emmi die Finger nicht von der Tastatur lassen können und sich schreiben. Vom Abklopfen des anderen auf Eigenheiten, Aussehen und Lebensumstände bis hin zu der Frage ob man sich wirklich einmal in der Realität begegnen sollte, verfolgt man das Chaos der Gefühle und kommt in den Genuss zahlreicher wunderbarer Denkanstöße, denen sich beide stellen.
Auch wenn inzwischen bekannt ist, dass die Geschichte um Emmi und Leo im zweiten Teil “Alle sieben Wellen” eine Fortsetzung findet, kann jeder seine Neigung zur Realität selbst am Ende von “Gut gegen Nordwind” testen. Ich verrate nicht zu viel wenn ich sage, dass dieses Ende vielleicht nicht unbedingt das Wunschende des interessierten Lesers ist, aber eines ist es vor allem: Ehrlich.

Eines der wunderbarsten Zitate war dieses für mich:

Es gibt keine anderen Menschen um uns.
Wir wohnen nirgendwo.
Wir haben kein Alter.
Wir haben keine Gesichter.
Wir unterscheiden nicht zwischen Tag und Nacht.
Wir leben in keiner Zeit.
Wir haben nur unsere Bildschirme, jeder streng und geheim für sich
und wir haben ein gemeinsames Hobby:
Wir interessieren uns für eine jeweils völlig fremde Person.

(Seite 19)

Fazit: Ein wunderbares Buch. Und “emotionell” wird eines meiner neuen Lieblingswörter!

Bewertung:
(5/5)
Verfasst am: 28.02.2010

[Rezension] Claudia Toman “Hexendreimaldrei”

Klappentext:
Wünschen ist nichts für Anfänger! Gut, sie ist wütend – unendlich traurig – am Boden zerstört, aber muss sie darum den abtrünnigen Märchenprinzen gleich in einen Frosch verwandeln? Mit dem Wunsch, den ihr eine Fee gewährt, hätte Olivia wahrlich Besseres anfangen können. Der Welt den Frieden schenken oder zumindest sich selbst ein schickes Apartment in London. Als sie ihren Fehler erkennt, ist fast alles zu spät. Doch um den Frosch (und die Liebe!) zu retten, ist Olivia zu allem bereit – sogar, sich mit einer mächtigen Hexen-Vereinigung anzulegen …

Meine Meinung:
Wer dieses Buch für einen weiteren „gewöhnlichen Frauenroman“ hält irrt! Welcher Frauenroman fängt denn schon mit dem schlimmsten anzunehmenden Szenario an, dass es in Frauenromanen geben kann?
Als Olivia die Kirchentoilette besucht, kurz bevor ihr persönlicher Traumprinz eine andere heiraten möchte, passiert ihr etwas Unglaubliches. Eine Tütüfee erscheint ihr, als sie aufgrund der mangelnden Beleuchtung ein Streicholz entzündet, und gewährt ihr einen Wunsch. Im Nachhinein hätte sich Olivia besser ein paar Gedanken gemacht, anstatt frei heraus das zu wünschen was ihr in den Sinn kam. Sie verwandelte ihren Prinzen in einen Frosch. Zuerst dachte sie, es sei vielleicht nichts passiert und noch während sie sich in einem Traum wähnte und die Toilette verließ, sah sie, dass ihr Wunsch tatsächlich erfüllt wurde. Auf der Basis dieser turbulenten Vorgänge, ist es nun an Olivia, ihrem sprechenden Frosch wieder zu menschlicher Gestalt zu verhelfen… aber wie?

Claudia Tomans Erstlingswerk ist nicht allein aufgrund der kuriosen Ausgangssituation ein echtes Leseerlebnis, denn sie versteht es den Leser auch erzähltechnisch immer wieder zu überraschen. Da am Tag der Hochzeit das Dilemma für die Hauptperson schon seinen Lauf genommen hatte, werden Ereignisse wie zum Beispiel das Kennenlernen und erste Treffen der beiden zwischen die aktuelle Handlung geschaltet. Die kapitelweise wechselnde Zeit in der erzählt wird, wird eine echte Herausforderung für den Leser, denn jeweils die ersten Zeilen des neuen Kapitels weiß man nicht genau ob die Handlung an das vorherige Kapitel anknüpft oder in der Zeit gewechselt hat.
Protagonistin Olivia ist, wie könnte es in einem so überraschenden Roman anders sein, ebenfalls keine typische Hauptperson. Sie ist impulsiv, weiß manchmal nicht was sie tun soll und wirkt dabei hoffnungslos charmant. Ich persönlich konnte mich sehr gut in die Gedankengänge einfühlen und mir hat sehr imponiert, dass Olivia eine Frau mit Prinzipien ist, was besonders an der Stelle in Zusammenhang mit Shakespeare deutlich wird. Auch einem Blick hinter die Oberfläche kann die Hauptperson also problemlos standhalten.
Auf ihrer Reise ins London der heutigen Zeit sucht Olivia nicht nur einen Weg um ihren Frosch zu befreien, sondern wird auch mit ihrer Vergangenheit konfrontiert und muss sich überwinden, auf ihre innere Stimme zu vertrauen. Natürlich ist das angestrebte Unterfangen alles andere als einfach, aber ein wenig Magie verleiht der Geschichte den gewissen Zauber.
Alles in allem ist „Hexendreimaldrei“ ein absolut gelungener Roman, dessen Charme nicht bereits nach dem Prolog verpufft ist. Eine herzerfrischend andere Idee und eine anders aber authentisch wirkende Protagonistin in Not, verhelfen zu unterhaltsamen Lesestunden, die passagenweise sogar ausgesprochen lehrreich sind!

Auch wenn sich der Roman nicht einem bestimmten Genre zuordnen lässt, so gibt es doch ein Wort, dass ihn beschreibt: Empfehlenswert!

Bewertung:
(5/5)
Verfasst am: 28.02.2010

[Ich lese]

Das Buch-Schicksal meint es diese Woche gut mit mir und deshalb wird für dieses Wanna-wanna-wanna-have-Buch alles andere stehen und liegen gelassen:

Dank meiner Informantinnen darf ich mich bei Gayle Formans “Wenn ich bleibe” auf ein bewegendes Buch mit viel Liebe und Musik freuen!

Erster Satz: Ich wache auf und sehe, dass der Rasen vor unserem Haus von einer dünnen Decke aus puderigem Weiß überzogen ist.

[SUB-Zuwachs / Ich lese] Ohne Worte…

glattauer

Das Buch ist gestern, gemeinsam mit der auf dem Lesezeichen abgebildeten Eule – die es brachte ;) – bei mir angekommen. Seitdem hat es mich bereits 2x in Wartezimmer begleitet und ich bin echt froh, dass ich was Schönes zum Lesen habe während ich hier alleine rum sitze und nix sagen darf (Stimmbandentzündung –> darf erstmal bis Montag nicht normal sprechen, freue mich also über jede Email!)!

Die betreffende Person hat genau ins Schwarze getroffen! Dankedankedanke auch nochmal an dieser Stelle! ♥

EDIT 18:26h: Ich bin schon durch! Tolles Buch. Aber mit dem Ende kann ich ehrlich gesagt auch leben :)

[Leidenschaft] Echte Handarbeit…

Bei den BuchSaiten sind zwar die Semesterferien eingekehrt, aber von Freizeit keine Spur. Hausarbeiten wollen geschrieben werden und ich arbeite (wie ich ja schon öfter erwähnte) in der Offenen Ganztagsschule. Macht summa summarum: Wenig zeit zum Bloggen, Rezensieren, Lesen. Leider. Dass ich aber im Kopf immer nur Bücher habe zeigt folgendes “Kunstwerk” aus Bügelperlen. Hergestellt an eben jener Arbeitsstelle :)
love books
Alle Kinder der Fische-Gruppe wissen jetzt was “Bücher” auf Englisch heißt! Sinngemäß habe ich das Plättchen auf den zwei Büchern angeordnet, die in Form von bislang fehlender Rezension unter der Situation leiden. Sorry!