Monthly Archive for Januar, 2010

[Ich lese]

Endlich ist es so weit: Ich lese “Hexendreimaldrei” von Claudia Toman! Seit der Online-Lesung bin ich ganz begeistert von der Autorin, die so herrlich gelesen hat und auch so nett auf alle Fragen antwortete. Inzwischen besuche ich auch regelmäßig ihren Blog und ihren Youtube-Channel, wo es auch bereits einen Trailer zum Folgeband “Jagdzeit” gibt.

Erster Satz: “Das darf doch nicht wahr sein”

[Rezension] F. E. Higgins “Das Gift der Schmetterlinge”

Klappentext:
Auf Schloss Withypitts Hall geschehen merkwürdige Dinge. Sind die unheimlichen Gemälde wirklich mit Blut gemalt? Wohin ist die Katze des Lords verschwunden? Und wer ist der geheimnisvolle Gefangene im Turm? Hector stehen die Haare zu Berge, als er merkt, wohin er geraten ist. Dabei war doch sein einziges Ziel, sich an dem verschlagenen Baron Bovrik zu rächen, der seinen Vater auf dem Gewissen hat. Die Nacht des Mittwinterfests hat Hector sich dafür ausgesucht. Doch als es soweit ist, überschlagen sich die Ereignisse…

Meine Meinung:
Hector Fitzbaudly lebte ein Leben auf der schöneren Seite der Stadt Urbs Umida, als plötzlich ein Fremder seinen Vater erpresst. Hectors Vater soll Gin-Leitungen in der Stadt betrieben haben, die viele Leute in die Sucht und danach in den Ruin getrieben haben sollen. Damit dieses Geheimnis geheim bleibt, fordert Gulliver Truepin von Fitzbaudly eine beträchtliche Summe. Obwohl diese gezahlt wird, erscheint dank Truepin ein Artikel in der Tageszeitung, der für Hector und seinen Vater eine existenzielle Katastrophe bedeutet. In Folge des Gesichtsverlusts verstirbt Hectors Vater und lässt ihn allein in einer herzlosen Stadt zurück.
Hector, dem nicht bleibt außer seiner Vorliebe für Schmetterlingszucht und Rätsel, die ihn mit seinem Vater verband, kommt zunächst in einem Waisenhaus unter – schwört aber Rache an Gulliver Truepin.

Beginnend mit einer Anmerkung der Autorin selbst, gerät der Leser auf ungewöhnliche Art in diese Geschichte um Hector und seinen Racheplan. Nämlich mit der Liste ihrer Raritätensammlung, aus deren Gegenständen sie die vorliegende Geschichte rekonstruiert hat. Neben einem Holzbein und einem gesprungenen Glasauge, erhält auch ein schwarzer Kokon an einer Lederschnur einen Platz in der Handlung.
In drei große Teile geteilt, geht es mit der eigentlichen Handlung sofort los. Wie bei vielen Büchern üblich, wechseln Schrift und Perspektive von normaler Erzählung aus der ein oder anderen Sicht, über Briefform bis hin zu Artikeln aus dem “Nordstadt-Journal. Eine anspruchsvolle Tageszeitung für den kritischen Leser”. Einige von Hectors Rätseln fließen ebenfalls in die Geschichte ein und runden das Gesamtbild ab.
Higgins hat einen unterhaltsamen Abenteuerroman mit einem Hauch von Mystik geschrieben, der allerdings eher an ein jüngeres Publikum gerichtet ist. Verschiedene Handlungsverläufe sind für den aufmerksamen Leser schnell vorhersehbar und auch die Schreckmomente sind nicht so grausam wie in der Erwachsenenliteratur. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass junge Leser Spaß an dem Buch haben, denn der Reiz weiter zu lesen ist auf jeden Fall gegeben und es ist auch schön, wenn am Ende des Buches alles haarklein aufgelöst wird, damit keine Frage oder Vermutung mehr offen bleibt – Agatha Christie macht es schließlich genauso.
An der ein oder anderen Stelle musste ich Schlucken, denn die Gesellschaft, in die Hector auf Withypitts Hall gerät, hat äußerst sonderbare Vorlieben. Wer Tiere sehr ins Herz geschlossen hat, dem wird es an einigen Stellen ebenso ergehen.

Insgesamt ist das Buch gut durchdacht, bietet Abwechslung für den Leser und eine spannende Geschichte. Aus Erwachsenensicht eine kurzweilige Unterhaltung, für Jugendliche ein Abenteuer mit Grusel-Potenzial!

Aus dem Postscriptum erfuhr ich, dass die beiden vorherigen Bücher der Autorin “Das schwarze Buch der Geheimnisse” und “Silbertod” entfernt mit der Handlung zu tun haben. Ich konnte der Handlung jedenfalls ohne Probleme folgen und werde -wie von der Autorin empfohlen- vielleicht demnächst einmal zu einem der Bände greifen, wenn ich demnächst mehr aus Urbs Umida lesen möchte.

Bewertung:
(4/5)
Verfasst am: 31.01.10

[Rezension] Nicole Rensmann “Regenbogenläufer”

Klappentext:
Lieber Leser – egal, ob du 6, 12, 35 oder 89 Jahre alt bist, ich hoffe, deinen Tag mit diesen 15 Geschichten spannender, schöner, lustiger und amüsanter zu gestalten.
Lass mich dir von den aufregenden Abenteuern des Ampelmännchens WilliRed berichten, lerne reisende Sandkörner und hungrige Wollmonsterchen kennen, staune über die alte Schildkröte Rasputin, die ihren Panzer auszog, und die Storchendame Ariane, wie sie zu ihrem Findelkind kam. Begleite das Christkind im Wolkenexpress, reise mit mir zum Regenbogenkobold und erfahre, was passierte, als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel, – und vieles mehr!
In diesem Sammelband finden sich Geschichten für die ganze Familie (auch den Bruder, der auf Grusel steht und die Oma, die es gerne sanft mag).
Wie ich zu den Ideen komme? Sie liegen auf der Straße, hängen in den Bäumen, fliegen mir zu, fallen auch schon mal aus dem Himmel. Ich muss mich nur bücken, sie aufheben oder fangen und feste an mich drücken. Dies ist das Ergebnis!

Meine Meinung:
Nicole Rensmanns Geschichtensammlung “für Groß und Klein” enthält 15 Geschichten, die unter dem Titel “Regenbogenläufer” zusammen gefasst sind. Dieser Titel ist insofern passend, als dass die Geschichten zwar inhaltlich keine Verbindung haben, aber oft Farben und einmal sogar ein Regenbogen eine Rolle spielen. So begegnet der Leser, Vorleser oder Zuhörer dem roten Ampelmännchen WilliRed, einem bunten Flamingo, einem grünen Krokodilbaby und einem Regenbogenkobold – um nur einige Protagonisten zu nennen.
Auf den ersten Blick ist das Buch besonders ansprechend, denn es ist bunt gestaltet und auch beim Durchblättern stößt man nicht nur auf großformatige Zeichnungen des Illustrators Jan Rademacher, sondern jede Seite ist mit einer Borte am oberen Rand versehen, die Figuren aus den Geschichten zeigt.
Bevor man zu lesen beginnt, erfährt man in einem sehr ausführlichen Vorwort der Autorin etwas über ihre Arbeit, die Entstehung der Geschichten und in manchen Fällen auch Hintergrundinformationen.
Anfangs tat ich mich inhaltlich mit den unterschiedlich langen Geschichten etwas schwer, denn mir fiel es nicht leicht, mir vorzustellen, dass manche Dinge so passieren könnten, wenn sie mir doch in der Realität ein wenig unlogisch erscheinen. Als ich mich aber von dieser Haltung distanzieren konnte, habe ich mich auf Nicole Rensmanns Welt eingelassen und fühlte mich von Fledermäusen und Weihnachtsmännern gut unterhalten. Besonders jüngere Leser oder Zuhörer können viel aus den Geschichten lernen, denn woher Flamingos ihre rosa Farbe erhalten oder woher die Geschenke an Weihnachten wirklich kommen, wird in die Geschichten eingebunden.

Insgesamt eine schöne Sammlung aus bunten Geschichten, nicht nur farblich sondern auch inhaltlich facettenreich wie ein Regenbogen. Wer sich nicht an der ein oder anderen Ungereimtheit stört, findet hier nette Unterhaltung, meiner Meinung nach allerdings eher für Klein als für Groß.

Bewertung:
(3/5)
Verfasst am: 31.01.10

[Rezension] Diana Wynne Jones “Sophie im Schloss des Zauberers”

Klappentext:
Was macht man, wenn man von einer Hexe in eine alte Frau verwandelt wird? Sophie heuert kurzerhand bei dem berüchtigten Zauberer Howl als Hausdame an und hat plötzlich alle Hände voll zu tun: Sie muss das wandelnde Schloss in Schuss bringen, den Feuerdämon Calcifer bei Laune halten und Howl daran hindern, ihrer Schwester das Herz zu brechen. Dabei wollte sie doch nur ihre eigene Gestalt zurückerlangen …

Meine Meinung:

“Sie wollte etwas erleben, sie wusste nicht so recht was – aber etwas Interessanteres als immer nur Hüte zu verzieren.” (Seite 23)

Sophie Hatter übernahm als Älteste von drei Schwestern gemeinsam mit ihrer Stiefmutter den Hutladen ihres Vaters. Da sie wunderbare Hüte dekoriert versinkt sie in Arbeit und legt sich schon als junges Mädchen einige Eigenheiten zu. Sie spricht mit den Hüten, die sie verziert und herrichtet, traut sich nicht mehr recht vor die Tür und meidet andere Menschen. Da das Geschäft sehr gut läuft, ist Sophie sowieso rund um die Uhr mit Hüten beschäftigt – ohne zu ahnen, dass sie damit den Zorn der Hexe der Wüste auf sich ziehen würde. Eben diese steht nämlich plötzlich in der Tür und verwandelt Sophie in eine alte Frau. Fest davon überzeugt in diesem Körper ihrer Familie nicht unter die Augen treten zu können geht Sophie los und gerät in das fliegende Schloss des Zauberers Howl. In der Hoffnung dort würde sie früher oder später jemand von ihrem Fluch befreien, heuert sie dort als Haushälterin an und lebt von Stund an in einer magischen Welt.
Die Grundidee des fantastischen Romans von Diana Wynne Jones ist einfach grandios: Was passiert wenn man als junger Mensch plötzlich im Körper einer alten Frau steckt?! Sophie durchlebt Höhen und Tiefen in ihrer neuen Gestalt und hat in Zauberer Howl und seinen Mitbewohnern quasi eine neue -verrückte- Familie gefunden. Feuerdämon Calcifer und Zauberer-Azubi Michael haben so ihre liebe Not mit der ewig putzenden, neugierigen Haushälterin, doch je länger alle zusammen sind, umso mehr erfahren sie übereinander und lernen sich zu schätzen und einzuschätzen.
Insgesamt eine zauberhafte Geschichte rund um Zauber, Hexen, Magie und den Glauben an sich selbst, die überzeugt. Allerdings habe ich bei der durchaus nachdenklichen Sophie ein wenig vermisst, dass sie wieder ihre ursprüngliche Gestalt zurück erlangen will. Ein junges Mädchen hätte da meiner Meinung nach etwas mehr Enthusiasmus zeigen können.

Lieblingszitat:

“Hast du je von einem Land namens Wales gehört?”
“Nein. Liegt das unter dem Meer?”
“Im Moment nicht.” (Seite 222)

Bewertung:
(4/5)
Verfasst am: 30.01.10

[Rezension] Paul McCartney “Hoch in den Wolken”

-leider nur noch schwer erhältlich deshalb kein Link-

Klappentext:
Eichstrich-das-Eichhorn macht sich auf die abenteuerliche Reise in das sagenumwobene Land Animalia, in dem die Tiere froh und ohne alle Sorgen leben. Eigentlich wäre er lieber zu Hause geblieben, doch die Baupläne der bösen Gretsch zwingen ihn, Waldland zu verlassen. Begleitet wird Eichstrich von seinen Freunden: Froscho, dem Ballonfahrer- Frosch, Wilhamina, der netten roten Eichhörnchendame, und Ratzo, der cleveren Ratte. Doch ihre Suche nach Animalia entwickelt sich nach und nach zu einer Unternehmung, die zahlreiche Gefahren und Abenteuer birgt…

Meine Meinung:

“Ich bin Eichstrich-das-Eichhorn, aber meine Freunde nennen mich schlicht Eichstrich.”
“Hallo Schlicht-Eichstrich”, sagt das Geschöpf [...]. (Seite 20)

Eichstrich-das-Eichhorn hört am liebsten seiner Mutter zu, wie sie ihm Gute-Nacht-Geschichten von Animalia erzählt, dem Land in dem alle Tiere friedlich leben können. Als eines Tages die Menschen in den Wald einfallen und Eichstrichs Mutter ums Leben kommt, verrät sie ihm, dass Animalia keine Phantasiewelt ist, sondern das es sie wirklich gibt. Das junge Eichhörnchen hat Mutter und Heimat durch die Menschen verloren, also macht es sich auf um in Animalia sein Glück zu finden. Was Eichstrich bei dieser Suche erlebt und wen er dabei trifft, davon handelt “Hoch in den Wolken”.
Meiner Meinung nach räumt dieses Buch eines Musikers/Promis gleich mit zwei Vorurteilen auf. Liebevoll gestaltet und witzig erzählt, ist das Abenteuer von Eichstrich-dem-Eichhorn und seinen Freunden keine lieblos hin geschriebene Geschichte einer berühmten Person, die den Punkt “ein Buch schreiben” auf ihrer Liste auch noch kurz abhaken wollte. Außerdem verderben in diesem Fall viele Köche auch nicht den Brei, denn trotz Zusammenarbeit von McCartney als Autor, Dunbar als Illustrator und Aradagh der dem Buch den letzten Schliff verlieh, ist ein ansehnliches Gesamtwerk entstanden.
Zwar ist die Idee, dass Tiere ihren natürlichen Lebensraum verlassen müssen um vor den Menschen und ihren Maschinen zu fliehen, keine Neuigkeit, McCartney lässt aber das Buch trotzdem im eigenen Gewand erstrahlen. Vergleiche mit “Unten am Fluss” oder “Der Wind in den Weiden” liegen hier zwar nahe, aber andererseits ähneln sich Geschichten mit Tieren in der Hauptrolle ja meistens. Was dieses Buch besonders macht, ist die kurzweilige, in jugendlich-frischer Sprache gehaltene Handlung, sowie zum größten Teil die tollen Illustrationen. Farbgewaltig und in toller Qualität, hat Geoff Dunbar hier meiner Meinung nach neue Maßstäbe gesetzt. Die teilweise sogar doppelseitigen, glänzenden Illustrationen sind einfach das Beste am ganzen Buch und laden zum immer wieder angucken und nach neuen Details suchen ein.

Alles in allem ein tolles Büchlein, aufgrund der Seitenzahl schnell gelesen, aber mit einer zeitlosen Botschaft.

Meine Lieblingsfigur: Natürlich Nickerchen-der-Nachtkauz!

Bewertung:
(4/5)
Verfasst am: 30.01.10