Monthly Archive for Oktober, 2009

[Ich lese] Pflichtlektüre!

Für mein Seminar zum Thema “Empfindsamkeit” lese ich den Roman von Karl Philipp Moritz “Anton Reiser. Ein psychologischer Roman” (Erster Teil).

Erster Satz: In Pyrmont, einem Orte, der wegen seines Gesundbrunnens berühmt ist, lebte noch im Jahr 1756 ein Edelmann auf seinem Gute, der das Haupt einer Sekte in Deutschland war, die unter dem Namen der Quietisten oder Separatisten bekannt ist und deren Lehrer vorzüglich in den Schriften der Mad. Guion, einer bekannten Schwärmerin, enthalten sind, die zu Fénelons Zeiten, mit dem sie auch Umgang hatte, in Frankreich lebte.

(Wenn ich mal Lehrerin bin, lasse ich Schüler die Satzteile dieses Satzes analysieren!)

[Zeitschrift] “Eselsohr” – Ausgabe November 09

Eselsohr November

Auf der Frankfurter Buchmesse wurde ich in diesem Jahr auf die Fachzeitschrift für Kinder- und Jugendmedien “Eselsohr” aufmerksam. Zunächst war ich vom Preis der Einzelausgaben mit 7€ reichlich abgeschreckt, entschied mich aber dann nach eingehender Recherche auf der Internetseite der Zeitung fr das Probeabo von 3 Ausgaben zum Vorzugspreis von 15€.

Heute kam die erste Ausgabe und hielt auf 34 Seiten im DIN A4 Format folgende Themen bereit:
- Eselsohr Galerie mit dem Illustrator Klaus Ensikat
- November Thema: Weihnachtsbücher
- November Thema: Märchensaison
- Spot: Illustrationen für Spiele
- Blickpunkt: Wo Ängste und Träume von Kindern liegen
- Blickpunkt: Porträt Leipziger Kinderbuchverlag
- Autorenspecials: Nili Goren, Turus Matti, Benjamin J. Myers
- Spiele “Faszination Buch”
- Neue Medien “Kinderfunk”
- Leseförderung KIBUM

Sowie zahlreiche Buchvorstellungen aus den Bereichen Kinder- und Jugendbuch, Bilderbuch, Sachbuch. Außerdem Buchtips der Redaktion, News und Termine.

Insgesamt präsentiert sich meine erste Ausgabe mit einem schlichten Layout, aber gehaltvollem Inhalt. Zum Glück gibt es wenig Werbung und wenn, dann handelt es sich fast ausschließlich um Buchpräsentationen einzelner Verlage. Bücher und Informationen zu den Unterthemen sind sorgfältig zusammen gestellt (Bsp: Thema “Kinderfunk” enthält eine ausführliche Liste mit Sendezeiten zahlreicher Radiosendungen). Zu jedem Buch sind das Cover, ISBN, Preis und Seitenanzahl angegeben. Bisher finde ich die Ausgabe recht gelungen, brauche aber die beiden weitern Ausgaben des Probeabos auf jeden Fall noch um ein Urteil fällen zu können.

Kennt jemand die Zeitung vielleicht schon? Leider gibt es sie wohl im Handel nicht zu kaufen.

[SUB Zuwachs] Die -wirklichwirklich- letzten Neuzugänge im Oktober

Mit der Post kamen die -wirklichwirklich- letzten Neuzugänge für diesen Monat. Gezwungener Maßen, schließlich ist heute der letzte Tag des Monats und der Postbote war schon da ;)

In einem Umschlag befanden sich zwei Rezensionsexemplare des Autors Simak Büchel. Ich lese sie quasi in BüchelBücher Vorbereitung auf die gemeinsame Zusammenarbeit, da ich im Dezember (hoffentlich) eine Lesung besuchen werde und es ist ein Interview (inklusive Verlosung) in Planung. Alle Infos dazu natürlich demnächst hier im Blog. Es handelt sich um:
“Himili fürchtet die Finsternis” und “Zaza und der Zirbelzottel”

Bei Erlesen.tv gibt es übrigens auch eine zweiteilige Lesung des Autors aus “Himili”.

AtwoodHörbuchAußerdem kam noch ein brandneues Hörbuch von Margaret Atwood an. Es ist gestern als Hörbuch erschienen und klingt der Kurzbeschreibung zufolge recht spannend. Wenn ich “Alle Zeit” beendet habe, begleitet es mich natürlich als nächstes auf Uni-Fahrten.
“Das Jahr der Flut”

Ich sehe meine SUB-Statistik dieses Monats schon im Keller… aber vielleicht schaffe ich ja noch ein Stück vom “Kolbri” ;)

[Ich lese] Mal wieder Zeit für eine “Zwischenlektüre”

Da ich mit “Zwei an einem Tag” noch immer nicht so recht warm geworden bin, aber den ganzen Abend Zeit zum Lesen habe (solange ich denn wach bin :) ) lese ich mal wieder eine “Zwischenlektüre”. Ich habe zum nächsten Buch auf der Liste gegriffen, nämlich dem “Ruf des Kolibris”. Das hat mich auf den ersten paar Seiten schonmal nach Bogota entführt und erinnert mich ein wenig an die vielen Auswanderer-Serien, die man im Fernsehen zur Zeit so oft sieht. Der erste Satz ist jedenfalls super! Geht nicht mit dem Trend “je länger desto besser” und lässt allen Raum für viel Fantasie. Seit ich angefangen habe erste Sätze aufzuschreiben, gefällt mir dieser am besten:

“Mein Koffer ist gepackt.”

[Rezension] Christoph Marzi, “Malfuria. Das Geheimnis der singenden Stadt”

Klappentext:
„Drüben, über den Dächern von La Riberia, schwebte die fliegende Galeone. Sie kam direkt auf die Kathedrale zugeflogen. Ihre Segel aus Nacht waren gebläht und sie schwebte schnell durch die Lüfte. Ramon, der Rabenkater fauchte. Und Catalina wusste, dass ihnen die Zeit davonlief…“

Barcelona in einem Zeitalter voller Wunder. Dort lebt Catalina Soleado im Verborgenen und ahnt nicht, welch ungeheure Kräfte in ihr schlummern. Doch dann wirft ein unheimliches Ereignis seine Schatten über die Stadt. Und eine uralte Macht beginnt wieder zu atmen.

Meine Meinung:

„Etwas muss sich endlich ändern.“ Er sprach diese Worte laut aus. Die Worte klangen hell und klar, als hätten sie schon lange in ihm gelauert und nur darauf gewartet, ausgesprochen zu werden. (Seite 66)

Catalina glaubte, dass sie seit sie bei einem Kartenmacher in die Lehre ging, endlich Ruhe und Frieden in ihrem Leben gefunden hätte. Zwar kopiert sie nur Karten, aber das Zeichnen macht ihr Freude. Der alte Kartenmacher hat sie immer freundlich behandelt, seit ihre Mutter sie eines Tages wortlos bei ihm gelassen hatte.
Jordi, der Lichterjunge des Leuchtturms in Barcelona, hat kein leichtes Leben mit seinem alkoholsüchtigen Vater, der ihn täglich spüren lässt, dass er zu nichts gut ist.
Als die schwebende Galeone über der singenden Stadt vor Anker geht und düstere Gestalten mit Harlekin-Masken sich in den Gassen herum drücken, kreuzen sich plötzlich und völlig unerwartet die Wege von Jordi und Catalina. Beide geraten Hals über Kopf in ein großes Abenteuer, in das Mächte verwickelt sind, deren Ausmaße ihnen bisher nicht bekannt waren.

Im Auftakt zur Trilogie „Malfuria“, herrscht in der magischen, singenden Stadt Marzis fast im ganzen Buch eine unglaubliche Spannung. Nach und nach erfährt der Leser, wie auch die Protagonisten, warum die Harlekin-Männer hinter Catalina her sind und es ist klar, dass sie die Flucht ergreifen muss. Mit der für den Autor typischen, bild-lastigen Sprache und einem Hauch von Magie, wird der Leser auf eine turbulente Reise entführt, in ein Barcelona, in dem die Winde eigene Sprachen sprechen, in Bibliotheken Bücher buchstäblich geboren werden und wo übersinnliche Mächte die Finger im Spiel haben. Auch wenn die Zeitspanne, die erzählt wird, nicht länger ist als wenige Tage, so entsteht doch nach kürzester Zeit ein Sog, in den das Buch den Leser regelrecht hinein saugt. Man wird Teil des Abenteuers um Catalina und Jordi, zwischen denen sich nach und nach mehr entwickelt als nur Freundschaft. Beide Charaktere werden aufgrund der kapitelweise wechselnden Sichtweise, sehr greifbar für den Leser, ihre Entscheidungen nachvollziehbar. Hat man das Wechselbad an Gefühlen im ersten Band hinter sich gelassen, bleibt man außerdem nicht mit einem völlig offenen Ende zurück. Genau die richtige Anzahl an Geheimnissen, die man als Leser unbedingt lüften will bleibt bestehen. Viele Handlungsstränge wurden aber auch zu einem Ende geführt und so wurde eine gute Basis für die kommenden Teile gelegt. Was es mit dem Titel „Malfuria“ auf sich hat, kann man jetzt ebenfalls erahnen.

Insgesamt bietet der Schauplatz in Spanien eine willkommene Abwechslung zu anderen Marzi-Büchern, schafft eine wunderbare Atmosphäre und zieht einfach in seinen Bann. Zwar sind fliegende Schiffe oder Harlekin-Masken durchaus keine neuen Erfindungen, aber sie werden geschickt verknüpft und ergänzt, zu einem neuen Ganzen.

Nach diesem Abenteuer, das nur der Anfang war, muss man einfach weiter lesen!

Was ist wenn man die Karte einfach umdreht? Ist dann nicht das, was vorher die Unterseite war, jetzt die Oberseite? Und wenn die Oberseite die Wirklichkeit war, die Welt des Lichts, die Welt, so wie sie aussah, was war dann die Unterseite? War sie einfach nur das schattenhafte Abbild der wirklichen Welt? Oder war die wirkliche Welt gar nicht so wirklich und nur ein Abbild der dunklen Zerrbilder und Kleckse? (Seite 294)

Bewertung:
(5/5)
Rezension verfasst: 27.10.09