
Klappentext:
„Drüben, über den Dächern von La Riberia, schwebte die fliegende Galeone. Sie kam direkt auf die Kathedrale zugeflogen. Ihre Segel aus Nacht waren gebläht und sie schwebte schnell durch die Lüfte. Ramon, der Rabenkater fauchte. Und Catalina wusste, dass ihnen die Zeit davonlief…“
Barcelona in einem Zeitalter voller Wunder. Dort lebt Catalina Soleado im Verborgenen und ahnt nicht, welch ungeheure Kräfte in ihr schlummern. Doch dann wirft ein unheimliches Ereignis seine Schatten über die Stadt. Und eine uralte Macht beginnt wieder zu atmen.
Meine Meinung:
„Etwas muss sich endlich ändern.“ Er sprach diese Worte laut aus. Die Worte klangen hell und klar, als hätten sie schon lange in ihm gelauert und nur darauf gewartet, ausgesprochen zu werden. (Seite 66)
Catalina glaubte, dass sie seit sie bei einem Kartenmacher in die Lehre ging, endlich Ruhe und Frieden in ihrem Leben gefunden hätte. Zwar kopiert sie nur Karten, aber das Zeichnen macht ihr Freude. Der alte Kartenmacher hat sie immer freundlich behandelt, seit ihre Mutter sie eines Tages wortlos bei ihm gelassen hatte.
Jordi, der Lichterjunge des Leuchtturms in Barcelona, hat kein leichtes Leben mit seinem alkoholsüchtigen Vater, der ihn täglich spüren lässt, dass er zu nichts gut ist.
Als die schwebende Galeone über der singenden Stadt vor Anker geht und düstere Gestalten mit Harlekin-Masken sich in den Gassen herum drücken, kreuzen sich plötzlich und völlig unerwartet die Wege von Jordi und Catalina. Beide geraten Hals über Kopf in ein großes Abenteuer, in das Mächte verwickelt sind, deren Ausmaße ihnen bisher nicht bekannt waren.
Im Auftakt zur Trilogie „Malfuria“, herrscht in der magischen, singenden Stadt Marzis fast im ganzen Buch eine unglaubliche Spannung. Nach und nach erfährt der Leser, wie auch die Protagonisten, warum die Harlekin-Männer hinter Catalina her sind und es ist klar, dass sie die Flucht ergreifen muss. Mit der für den Autor typischen, bild-lastigen Sprache und einem Hauch von Magie, wird der Leser auf eine turbulente Reise entführt, in ein Barcelona, in dem die Winde eigene Sprachen sprechen, in Bibliotheken Bücher buchstäblich geboren werden und wo übersinnliche Mächte die Finger im Spiel haben. Auch wenn die Zeitspanne, die erzählt wird, nicht länger ist als wenige Tage, so entsteht doch nach kürzester Zeit ein Sog, in den das Buch den Leser regelrecht hinein saugt. Man wird Teil des Abenteuers um Catalina und Jordi, zwischen denen sich nach und nach mehr entwickelt als nur Freundschaft. Beide Charaktere werden aufgrund der kapitelweise wechselnden Sichtweise, sehr greifbar für den Leser, ihre Entscheidungen nachvollziehbar. Hat man das Wechselbad an Gefühlen im ersten Band hinter sich gelassen, bleibt man außerdem nicht mit einem völlig offenen Ende zurück. Genau die richtige Anzahl an Geheimnissen, die man als Leser unbedingt lüften will bleibt bestehen. Viele Handlungsstränge wurden aber auch zu einem Ende geführt und so wurde eine gute Basis für die kommenden Teile gelegt. Was es mit dem Titel „Malfuria“ auf sich hat, kann man jetzt ebenfalls erahnen.
Insgesamt bietet der Schauplatz in Spanien eine willkommene Abwechslung zu anderen Marzi-Büchern, schafft eine wunderbare Atmosphäre und zieht einfach in seinen Bann. Zwar sind fliegende Schiffe oder Harlekin-Masken durchaus keine neuen Erfindungen, aber sie werden geschickt verknüpft und ergänzt, zu einem neuen Ganzen.
Nach diesem Abenteuer, das nur der Anfang war, muss man einfach weiter lesen!
Was ist wenn man die Karte einfach umdreht? Ist dann nicht das, was vorher die Unterseite war, jetzt die Oberseite? Und wenn die Oberseite die Wirklichkeit war, die Welt des Lichts, die Welt, so wie sie aussah, was war dann die Unterseite? War sie einfach nur das schattenhafte Abbild der wirklichen Welt? Oder war die wirkliche Welt gar nicht so wirklich und nur ein Abbild der dunklen Zerrbilder und Kleckse? (Seite 294)
Bewertung:




(5/5)
Rezension verfasst: 27.10.09
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