Wie bereits angekündigt, habe ich den Autor Simak Büchel auf einer Lesung in einer Gesamtschule besucht. Gute 80 Minuten las und erzählte er vor zwei versammelten Fünften Klassen, deren Lehrern und mir.
Beginnend mit der Projektion des Covers von „Himili fürchtet die Finsternis“ tasteten sich die Kinder langsam an die Geschichte der jungen Hyäne und vor allem an die Geschichte zur Idee hinter dem Buch heran. Anfangs, so erzählt Simak Büchel, war er sich nicht sicher ob nachtaktive Raubtiere die richtigen Protagonisten in seinem Jugendbuch wären, doch nach eingehender Recherche entschied er sich aufgrund ihrer Eigenschaften bewusst für die Hyänen. Er erzählte von seinen eigenen Erfahrungen in Kenia, die stark davon geprägt waren, welche verklärten Ansichten bei Europäern über den entfernten Kontinent herrschen. Während eines Ausflugs in einen Nationalpark, entstand dann auf einem „Savannenplumpsklo“ die Idee zu Himili und dessen Geschichte. Mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik zog Simak Büchel die Anwesenden in seinen Bann. Humorvoll und selbstironisch erzählte er seine Erfahrungen und las aus seinem Jugendbuch. Zwischendurch war es an spannenden Stellen wirklich mucksmäuschenstill und alle waren gespannt wie es wohl weiter geht. Im Anschluss an die Doppelstunde durften die Schüler dann noch Fragen stellen, die geduldig vom Autoren beantwortet wurden. Auch ich durfte noch einige Fragen an Simak Büchel stellen und er nahm sich Zeit, die Gewinnerin aus dem Lostopf zu ziehen:
Wie kamen Sie dazu, Schriftsteller zu werden?
Simak Büchel bezeichnet sich selbst weniger als Schriftsteller, als als „Forscher“, für den viele Bereiche des Lebens in einer Sache zusammen fließen. Ursprünglich war es sein Wunsch, in der Savanne Tiere zu beobachten. Als er dies schließlich umsetzte, ertappte er sich dabei, wie er sich Geschichten zum Gesehenen ausdachte. Geschrieben hat er eigentlich schon immer, seine Geschichten wurden aber seit den Anfängen in der Grundschulzeit zunehmend größer und komplexer. Das Schreiben ist für ihn Synthesegebiet, in dem er geistes- und naturwissenschaftliche Ansätze vereinen kann, um an eigenen Welten zu bauen.
Warum schreiben Sie gerade Kinderbücher?
Am Genre Kinderbuch schätzt Simak Büchel die Freiheit, die Welt aus der eigenen Perspektive erzählen zu können, ohne dass sie dabei so sein muss, wie der Konsens es nahe legt. Kinder können sich seiner Meinung nach leichter auf Neues einlassen. Erwachsenenliteratur war eigentlich der Start seines Berufs als Schriftsteller, inzwischen nähert er sich auch diesem Genre wieder an.
Wie kam es zur „Moral“ hinter den Kinderbüchern?
Als reflektierter Mensch, so Büchel, suche man automatisch einen Sinn. Sinn hängt seines Erachtens nach eng mit Kompexität zusammen, denn sicherlich gibt es so etwas wie individuellen Sinn, was literarisch jedoch mehr interessiert, ist eine höhere Sinnstufe, die sich ergibt, wenn man ein Figurenensemble auf ein Geschehen loslässt. Im Geflecht des Zusammenwirkens der Figuren verfängt sich: Sinn. Nicht länger nur individueller Sinn, sondern ein Sinn, der sich aus
Kontexten ergibt.
Die Thematik der „Angst im Dunkeln“ bei Himili zeigt, dass Angst haben auch die persönliche Entwicklung fördern kann und dass es etwas Gutes ist, sich seinen Ängsten zu stellen.
Haben Sie als Kind gern gelesen? Wenn ja, was?
Simak Büchel ist davon überzeugt, dass jeder Autor auch ein Leser sein muss und so ist seine Antwort auf die Frage wie man ein Autor wird auch immer: „Indem man schreibt und liest!“. Im Speziellen waren Astrid Lindgren und auch Michael Ende mit ihren etwas knorrigen Figuren genau das richtige um seine Kindheit atmosphärisch aufzuladen. Auch das Vorlesen war für Büchel so wichtig, dass er es heute in Form eines Abendrituals an seine zwei eigenen Kinder weiter gibt.
Welches der Bücher bedeutet Ihnen/mögen Sie am meisten?
Himili ist ein Buch, das aufgrund der vielen Lesungen zurzeit immer aktuell ist und dessen Figuren Büchel sehr mag. Allerdings hatte jede seiner Geschichten zu ihrer Zeit ihre Berechtigung und war zu einer Zeit sein „Fenster in die Welt“. Auch wenn im Nachhinein vielleicht Änderungswünsche entstehen oder man sich als Autor vornimmt das eine oder andere in Zukunft anders zu machen, kann man keins der Bücher als wichtiger oder bedeutender als die Anderen bezeichnen.
Warum spielte Afrika eine so große Rolle in ihren Büchern?
Seit der ersten Afrikareise Simak Büchels im Jahr 1998 war er von Land und Kultur fasziniert. Der Stand des Europäers bei den Menschen dort, sowie Einblicke in deren Leben und Biografie berührten ihn sehr. Seiner Meinung nach sollte jeder Mitteleuropäer den Kontinent einmal besuchen, um sein Weltbild und den eigenen Horizont zu erweitern. Büchels erstes Buch wurde übrigens vor der Reise veröffentlicht, weil er wusste, dass er die Dinge nach seiner Rückkehr nicht mehr mit denselben Augen sehen würde.
Woher kommt der Vorname „Simak“?
Simak Büchel kam zu seinem Künstlernamen durch Freunde, denn im wahren Leben heißt er anders.
Was ist ihr eigentlicher Beruf?
Seit 2007 ist Simak Büchel freiberuflich tätig und trägt mit dem Job als „Forscher“ seine Familie. Er studierte Biologie, Germanistik und Philosophie und schrieb bis vor kurzem an seiner Dissertation.
Sind weitere Bücher in Planung?
Simak Büchel hat viele neue Ideen im Kopf und geht davon aus, dass es schon im nächsten Jahr neue Projekte geben wird. Unter anderem sprach er von einer Recherchereise nach Südamerika.
Welches Erlebnis einer ihrer Lesungen blieb ihnen besonders in Erinnerung?
Obwohl jede Lesung anders ist, kann sich Simak Büchel an eine Lesung vormittags in einer Schule erinnern, die ihn zunächst ziemlich gefordert hatte, da die Kinder mit Büchern, Literatur
und der Situation einer Lesung scheinbar nicht vertraut gewesen waren. Nachmittags, als er in der Bücherei der selben Stadt erneut las, entdeckte er aber einige der Kinder vom Vormittag, die freiwillig gekommen waren und die Geschichte unbedingt noch einmal hören wollten. Es war ein Erfolg für ihn, besonders die Kinder, für die Lesen keinen großen Stellenwert einnahm, für seine Bücher gewinnen zu können.
Vielen Dank für die Teilnahme an der vorgeschalteten Aktion, Fragen an den Autor zu senden und so auch die Chance auf ein signiertes Buch des Autors zu erhalten. Ich hoffe jede Teilnehmerin hat ihre Fragen bereits wieder gefunden, die glückliche Gewinnerin, die von Herrn Büchel gezogen wurde ist Tine S.!
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